Artenreiches Grünland
Feucht- und Magerwiesen: Paradiese der Artenvielfalt
Das Ende der Heuwiesen
Wiesenschutz in den SICONA-Gemeinden
Die Biodiversitätsprogramme
Pflege artenreicher Wiesen durch den Pflegetrupp des SICONA-Westen
Begleitende Studien: Vorkartierungen und Monitoring
Wiesenkartierungen in den SICONA-Gemeinden
Monitoring der Brutvogelbestände und Abschließen von Sonderverträgen
Monitoring von Aufwuchsmenge und Futterqualität auf Vertragsflächen
Feucht- und Magerwiesen: Paradiese der Artenvielfalt
Extensiv genutzte Wiesen gehören zu unseren artenreichsten Lebensräumen überhaupt.
Nicht selten findet man mehr als 50 verschiedene Pflanzenarten in einer ungedüngten Heuwiese. Bei Kartierungen besonders
artenreicher Wiesen in den Gemeinden Bartringen und Dippach konnten sogar mehr als 80 Pflanzenarten festgestellt werden, darunter
auch extrem stark gefährdete Arten, wie der Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) oder die Färberscharte (Serratula tinctoria).
Auf den Pflanzen leben wiederum zahlreiche Insektenarten, z.B. Schmetterlinge und Wildbienen. Auch einige Vogelarten haben sich
auf den Lebensraum Wiesen spezialisiert. Sie sind Bodenbrüter und brauchen offene Wiesenlandschaften mit mageren, spät
gemähten Wiesen.
Durch seine Lage in Europa hat Luxemburg sogar besonders artenreiche Wiesen.
In unserer Region treffen Arten, die in Osteuropa verbreitet sind mit Arten zusammen, die nur in Westeuropa vorkommen.
Unsere Wiesen sind deshalb auch europaweit von Bedeutung und Luxemburg hat eine besondere Verantwortung diese Artenvielfalt zu erhalten.
Das Ende der Heuwiesen
Blütenreiche Mähwiese in der Gemeinde Bettemburg
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat nicht nur große Veränderungen in unseren landwirtschaftlichen Betrieben bewirkt. Auch unsere Landschaft und die darin lebenden Tier- und Pflanzenarten werden davon beeinflusst. Die Umstellung vieler Betriebe auf Hochleistungsmilchvieh hat zu einem höheren Bedarf an eiweißreichem Futter in den Betrieben geführt. Deshalb wurde die Bewirtschaftung in den meisten Wiesen von Heu- auf Silagenutzung umgestellt.
Mit den früheren und häufigeren Schnitten kommen die typischen Bewohner der Heuwiesen jedoch nicht zurecht. Diese Arten
sind seit langer Zeit an einen zweischnittigen Mährhythmus angepasst: die Pflanzen z.B. bilden rechtzeitig zum früher
üblichen Schnitttermin um den 15. Juni Samen aus; viele Schmetterlingsarten haben 2 Faltergenerationen, deren Raupen jeweils zum
Zeitpunkt der Mahd ausgewachsen sind. Diese Arten können sich bei einem häufigeren Schnitt nicht mehr reproduzieren und sterben
dann aus. Außerdem reagieren viele Arten empfindlich auf die heute übliche, intensivere Düngung
der Wiesen.
In den letzten beiden Jahrzehnten sind deshalb die meisten der früher so häufigen Wiesenbewohner sehr selten geworden.
Besonders Arten, die auf eine sehr extensive Nutzung angewiesen sind und keinen Dünger vertragen, sind vielfach schon ausgestorben.
Wenn wir auch in Zukunft noch farbenfrohe Blumenwiesen erleben wollen, sind dringende Maßnahmen
zum Schutz extensiv genutzter Wiesen notwendig.
Wiesenschutz in den SICONA-Gemeinden
Die Biodiversitätsprogramme
Artenreiche Mähwiese in Bartringen, die als Vertragsfläche der Biodiversitätsprogramme extensiv bewirtschaftet wird
Als Einstieg in den Wiesenschutz startete SICONA-Westen im Naturschutzjahr 1995, zusammen mit seinen Mitgliedsgemeinden und dem
Umweltministerium, ein Pilotprojekt zum Schutz artenreicher Feucht- und Magerwiesen. Im Rahmen dieses Pilotprojektes wurden mit den
Bewirtschaftern naturschützerisch wertvoller Wiesen und Weiden (Haupt- und Nebenerwerbslandwirte, aber auch Privatleute, z.B.
Hobby-Schafs- und Pferdehalter) Verträge abgeschlossen, die eine Nutzung im Sinne des Naturschutzes festlegten. Im Gegenzug
erhielten die Nutzer eine Entschädigung, die den wirtschaftlichen Verlust gegenüber einer ökonomisch optimalen Nutzung ausglich.
Inzwischen wurden die Wiesenschutzprogramme, im Rahmen der nationalen Programme zum Erhalt der Biodiversität, vom Umweltministerium
übernommen und auf das ganze Land ausgeweitet. 2001 waren über 1800 ha Wiesen- und Weideflächen unter Vertrag, davon etwa
ein Drittel in den 19 Gemeinden des SICONA-Westen. In den Folgejahren wurde die Zahl der Flächen weiter erhöht, so dass im
Bereich von SICONA-Westen im Winter 2004/05 über 1150 ha unter Vertrag waren.
Ins Programm aufgenommen werden nur Wiesen, die eine besondere naturschützerische Bedeutung haben. Im Prinzip gilt als
Aufnahmekriterium das Vorkommen seltener Arten resp. die Zugehörigkeit der Fläche zu einem nationalen oder europäischen
Schutzgebiet. Die Tier- und Pflanzenarten, die als Auswahlarten gelten, sind im Anhang zu den Biodiversitätsprogrammen aufgeführt.
Die Biologische Station Westen führt in den SICONA-Gemeinden die Verhandlungen mit den Landwirten zum Abschluss von
Biodiversitätsverträgen und verwaltet auch die entsprechenden Verträge. Inzwischen haben fast 130
Bewirtschafter in den SICONA-Gemeinden Biodiversitätsverträge im Grünland abgeschlossen.
Extensive Beweidung mit Limousin-Rindern in einer kommunalen Schutzzone der Gemeinde Bartringen. Die mit Fichten aufgeforstete ehemalige Feuchtwiese wurde Anfang der 90er Jahre vom SICONA-Westen wieder als Extensivwiese hergestellt und ist heute ebenfalls eine Vertragsfläche im Rahmen der Biodiversitätsprogramme. |
Feuchtwiese in der Gemeinde Bettemburg mit großem Bestand von Kuckucks-Lichtnelke und Wassergreiskraut. Beide Arten gehören zu den Anhang-Arten der Biodiversitätsprogramme. |
Pflege artenreicher Wiesen durch den Pflegetrupp des SICONA-Westen
Der flächenmäßig weitaus größte Teil der Wiesenschutzmaßnahmen in der Region läuft über
Bewirtschaftungsverträge im Rahmen der Biodiversitätsprogramme und wird damit von den Landwirten geleistet.
Ein kleiner Teil schutzwürdiger Wiesenflächen ist jedoch zu nass oder zu klein um eine Bewirtschaftung mit den üblichen
landwirtschaftlichen Maschinen zu ermöglichen. Diese Flächen werden vom SICONA-Westen mit Spezialmaschinen gepflegt.
Vom Pflegetrupp des SICONA-Westen werden darüber hinaus gelegentlich Restaurierungsarbeiten von Wiesen (im allgemeinen
frühere Feuchtwiesen, die mit Fichten aufgeforstet worden waren) durchgeführt.
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Begleitende Studien: Kartierungen und Monitoring
Wiesenkartierungen in den SICONA-Gemeinden
Titelblatt der Wiesenkartierung
in der Gemeinde Mamer
Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensraumtypen sind unsere Kenntnisse über Vorkommen und Verbreitung artenreicher
Wiesen relativ lückenhaft. Hinzu kommt , dass die strengen Auswahlkriterien der Biodiversitätsprogramme zwar die Wirksamkeit
der Programme und den gezielten Einsatz der Gelder sicherstellen, gleichzeitig aber einen erheblichen Kenntnisstand über das Vorkommen
naturschützerisch wertvoller Wiesen und ihren Artenbestand voraussetzen. Da eine Gesamtübersicht jedoch nicht vorhanden ist,
erfolgte die bisherige Flächenauswahl nicht systematisch, sondern entsprechend den mehr oder weniger zufällig vorhandenen Erkenntnissen.
Seit einigen Jahren versucht die Biologische Station Westen daher, die Lücke durch systematische Kartierungen artenreicher Wiesen
in den SICONA-Gemeinden zu schließen.
Bei diesen auf Gemeindeebene durchgeführten Kartierungen werden alle aus Naturschutzsicht interessanten Wiesen mit den vorkommenden
Pflanzenarten und teilweise auch verschiedenen Tierarten erfasst. Die kartierten Wiesen wurden in verschiedene Wertkategorien eingestuft.
Die Einstufung erfolgte vorwiegend aufgrund botanischer Faktoren und dem Vorkommen seltener Schmetterling- und Vogelarten. Neben der Darstellung
der Kartierungsergebnisse werden im Bericht zu den Wiesenkartierungen auch Vorschläge zum Wiesenschutz in den einzelnen Gemeinden gemacht.
Außerdem werden auf der Basis der erhobenen Daten Schwerpunktgebiete mit Extensivgrünlandflächen abgegrenzt, die sich für die Ausweisung als Wiesenschutzgebiete eignen würden.
Inzwischen wurden derartige Basiskartierungen in den Gemeinden Bartringen, Bettemburg, Dippach, Kehlen, Kopstal, Küntzig, Leudelingen,
Mamer, Monnerich, Niederkerschen, Petingen, Reckingen/Mess und Sanem durchgeführt. Sie enthalten alle für die Biodiversitätsprogramme
notwendigen Angaben und dienen damit als Arbeitsinstrument für die Aushandlung von Grünlandverträgen.
Monitoring der BrutvogelbestÄnde und Abschließen von SondervertrÄgen
Neben der Vorkartierung geeigneter Flächen und dem Aushandeln von Verträgen kommt auch dem Monitoring der Vertragsflächen eine große Bedeutung zu. Vor allem bei verschiedenen Wiesenvogelarten reichen die normalen Biodiversitätsverträge nicht aus. Ein fortgesetztes Monitoring ist daher notwendig, um die Brutvorkommen alljährlich zu lokalisieren und Zusatzverträge zu den normalen Wiesenverträgen abzuschließen. Nur so kann ein Ausmähen der Bruten spät flügge werdender Arten verhindert werden.
In den SICONA-Gemeinden wird daher alljährlich ein Großteil der Grünlandvertragsflächen auf Brutvogelvorkommen kartiert.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Vorkommen spätbrühender Arten, wie Braunkehlchen, Schafstelze und Wachtelkönig.
Dabei wird versucht, die einzelnen Bruten möglichst genau einzugrenzen und Zusatzverträge mit einem späteren Mahdtermin
für diese Flächen auszuhandeln. Leider konnten in den letzten Jahren nur noch wenige Bruten dieser Arten festgestellt werden,
wobei der Bruterfolg außerdem nicht sehr gut war.
Foto (fehlt)
Das Braunkehlchen gehört zu den spätbrütenden Wiesenvogelarten, für deren Schutz normale
Biodiversitätsverträge nicht ausreichen. Deshalb müssen die Bruten regelmäßig überwacht
und an Brutstandorten Sonderverträge mit späterem Schnitttermin
ausgehandelt werden. Das Braunkehlchen ist in den SICONA-Gemeinden extrem
stark bedroht.
Monitoring von Aufwuchsmenge und FutterqualitÄt auf VertragsflÄchen

Mitarbeiter des SICONA-Westen beim Aufsammeln
von Futterproben in einer Vertragsfläche

