Schutz der Feldarten: Feldhase, Rebhuhn, Ackerwildkräuter
Der Acker – Intensiv-Kulturland oder Lebensraum für Kornblume, Feldhase und Rebhuhn?
Kornblume & Co auf der Roten Liste
Feldhase und Rebhuhn – typische Besiedler von Agrarlandschaften
Projekte zum Schutz der Feldarten
Studie zur Situation der Ackerwildblumen in der Minette-Region
Studie zur Situation von Feldhase und Rebhuhn
Erhöhung des Strukturangebotes in Ackerfluren durch Krautstreifen
Anlage von Ackerkrautstreifen in den Gemeinden Bettemburg, Monnerich und Sanem
Der Acker – Intensiv-Kulturland oder Lebensraum für Kornblume, Feldhase und Rebhuhn?
Der Lebensraum Acker wurde bisher bei Naturschutzprojekten oft vernachlässigt.
Der Acker ist jedoch nicht nur eine landwirtschaftliche Kultur, sondern auch
der Lebensraum vieler Arten, die sich an seine speziellen Lebensbedingungen angepasst
haben. Die Roten Listen der gefährdeten Arten füllen sich immer mehr
mit Tier- und Pflanzenarten, die den Acker besiedeln. Deshalb sind Programme
für den Schutz von Ackerarten dringend notwendig, wenn auch nicht immer
leicht durchzuführen.
Kornblume & Co auf der Roten Liste
Der Große Frauenspiegel gehört zu den Ackerwildkraut-Arten, die im Westen Luxemburgs nur noch sehr selten anzutreffen sind
Die Entwicklung der Ackerwildkrautvegetation ist in Mitteleuropa
eng mit der Geschichte des Kulturpflanzenanbaus verknüpft. Vor mehr als 7000 Jahren
hat sich der Ackerbau im Neolithikum entwickelt. Mit den Kulturpflanzen siedelten
sich zugleich die Feldunkraut-Gesellschaften an. Sie beherbergen zahlreiche Arten,
die ohne menschliches Zutun in unserem Raum fehlen würden. Oft sind es Steppenpflanzen
aus Vorderasien oder mediterrane Arten. Klatschmohn, Kornblume und auch der Rittersporn
haben z.B. ihr Sippenzentrum im vorderasiatischen Raum, wo auch die Kulturgräser
herstammen. Andere Arten kamen jedoch schon vorher, z.B. an nährstoffreichen
Flussufern bei uns vor. Insgesamt ergibt sich dadurch ein buntes Gemisch
vieler Arten unterschiedlicher Herkunft.
Die Getreidebeikräuter sind eng an die Ackerkulturen angepasst und die meisten
können nicht in andere Flächen ausweichen. Mit der modernen Landwirtschaft
verschwanden viele Ackerblumen: der Einsatz der Herbizide, verbesserte Saatgutreinigung,
größere Schläge, verstärkte Düngung, höhere Halmdichten
oder das Verschwinden der Stoppelfelder führten für viele Arten zu
einem starken Rückgang. Adonisröschen, Kleinblütiger Erdrauch,
Gabel-Leimkraut oder Venuskamm gelten in Luxemburg z.T. schon seit Jahrzehnten
als verschollen. Viele andere Arten sind zwar noch vorhanden aber ihre Bestände
sind stark rückläufig.
Andererseits haben einige wenige Arten von der Intensivierung profitiert,
weil sie durch eine starke Stickstoffdüngung bevorteiligt werden und/oder herbizidresistent
sind. Windhalm, Quecke oder Acker-Kratzdistel können so zu richtigen Problemunkräutern
werden. Ihr Auftreten trägt jedoch zur Vielfalt der Kulturlandschaft
wenig bei.
Feldhase und Rebhuhn – typische Besiedler von Agrarlandschaften
Feldhase und Rebhuhn sind typische Kulturfolger. Beide sind wahrscheinlich
keine ursprünglichen Arten der natürlichen Lebensgemeinschaften
Mitteleuropas, sondern Bewohner der osteuropäisch-vorderasiatischen
Steppengebiete. Von dort wanderten sie, wie zahlreiche andere Pflanzen- und
Tierarten auch, in das mittlere und westliche Europa ein. Wegbereiter war
auch hier der Ackerbau treibende Mensch. Der vom Menschen geschaffene Lebensraum
Acker mit seinen ökologischen Ähnlichkeiten zur Steppe bot
Rebhuhn und Feldhase ideale Lebensbedingungen.
Lange Zeit hat die Kulturlandschaft so zu einer Erhöhung der Artenvielfalt
in Europa beigetragen, die etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt
fand. Die sogenannte grüne Revolution mit der Erfindung des Kunstdüngers,
die einsetzende Industrialisierung und insbesondere der Strukturwandel in
der Landwirtschaft kehrten diese Tendenz um. Einschneidende Veränderungen
der Kulturlandschaft seit den 50ger Jahren des 20. Jahrhunderts, die durch
die Mechanisierung und die Intensivierung der Landwirtschaft hervorgerufen
wurden, haben seither zu einem erheblichen Artenrückgang geführt.
Das Rebhuhn, ehemals eine verbreitete Art der Feldflur, wird als stark
gefährdet in der luxemburger Roten Liste gefährdeter Tierarten
geführt. Der Feldhase wurde in Luxemburg bisher noch nicht in die Rote
Liste aufgenommen. Mit Sicherheit ist er noch deutlich häufiger als
das Rebhuhn. Dennoch stellt sich die Frage, ob er aufgrund seiner deutlichen
Rückgangstendenz nicht auch auf die Rote Liste gehört. In der Bundesrepublik
Deutschland beispielsweise wird der Feldhase seit 1994 in der Roten Liste
bedrohter Tierarten geführt.
Foto (fehlt)
Das Rebhuhn, ein typischer Kulturfolger und früher ein häufiger
Bewohner unserer Agrarlandschaften, hat inzwischen nur noch eine sehr kleine
Population in den SICONA-Gemeinden. Schwerpunktmäßig ist die Art
in den Gemeinden Bartringen und Bettemburg anzutreffen
Projekte zum Schutz der Feldarten
Studie zur Situation der Ackerwildblumen in der Minette-Region
Von der Verarmung an Wildkräutern waren in den vergangenen 30-40 Jahren
insbesondere die blütenreichen Äcker der Kalkgebiete betroffen.
Zu ihnen zählt auch das Gebiet des Doggers, also die Minetteregion,
im Südwesten Luxemburgs. Diese Region war vor Jahrzehnten für seine
wildkraut- und blütenreichen Äcker bekannt. Grund genug um die
Bestandssituation der Wildblumen systematisch zu erfassen und somit die Grundlage
für ein Schutzprogramm zu erstellen.
2003 konnte die Biologische Station zusammen mit dem Büro für Landschaftsökologie,
GIS- Entwicklung & Umweltbildung aus Rheinland-Pfalz im Auftrag des SICONA-Westen
und unter finanzieller Förderung des Umweltministeriums eine systematische
Erfassung der Ackerwildkrautflora in den vom Dogger dominierten Gemeinden
im Süden Luxemburgs erstellen. Die Studie erstreckt sich über den
Raum Petingen, Differdingen, Sanem, Esch, Schifflingen, Rümelingen,
Kayl und Düdelingen und umfasst 187 Äcker mit einer Gesamtfläche
von ca. 550 ha. d.h. fast das gesamte Ackerland in dieser Region.
Insgesamt wurden 285 Pflanzenarten registriert, darunter 37 Arten die
im Anhang des Biodiversitätsreglements als schützenswerte Arten
aufgeführt werden. 15 davon gehören zu den typischen Ackerwildkräutern,
die nur im Rahmen von Ackerschutzprogrammen erhalten werden können.
Unter den 15 gefährdeten Ackerwildkrautarten sind 2 vom Aussterben bedroht,
11 stark gefährdet und 2 gefährdet.
Schutzmaßnahmen sollen nun über zwei verschiedene Strategien erfolgen:
durch Schutz innerhalb der landwirtschaftlichen Nutzflächen und durch
Anlage von Ackerreservaten. Das Ackerrandstreifenprogramm der Biodiversitätsprogramme
bietet die Möglichkeit, den Landwirten Verträge für das Anlegen
von herbizidfreien Streifen in ihren Äckern anzubieten. Für verschiedene
Arten mit sehr spezifischen Ansprüchen (insbesondere düngeempfindliche
Arten) reicht ein solcher Schutz jedoch nicht aus. Hier ist es zusätzlich
notwendig sogenannte Ackerreservate anzulegen. Es handelt sich dabei um kleine
Flächen, die der öffentlichen Hand gehören und ein entsprechendes
Statut als Ackerreservat erhalten. Sie bieten durch ihren langfristigen Schutz
die Möglichkeit die typischen Arten einer Region unter musealen Bedingungen
(also gegebenenfalls auch durch historische Nutzungsformen) zu erhalten und
ermöglichen es zusätzlich autochtones Saatgut gefährdeter
Arten für die Wiederausbringung in den landwirtschaftlichen Flächen
zu vermehren.
Studie zur Situation von Feldhase und Rebhuhn
In den Jahren 2001 und 2002 hat die Biologische Station Westen im
Auftrag des Naturhistorischen Museums und des Jagddienstes der Forstverwaltung
eine Studie zur Situation von Feldhase und Rebhuhn in verschiedenen
SICONA-Gemeinden durchgeführt. Die Studie umfasste verschiedenen Bereiche: eine Zählung
des Feldhasenbestandes mit Hilfe der sogenannten Scheinwerfertaxation, eine
Erfassung des Rebhuhnbestandes durch nächtliche Verhörung und anhand
von Spuren, sowie die Erfassung der Habitatstrukturen in den Untersuchungsgebieten.
Zusätzliche Daten lieferten Statistiken, etwa die Entwicklung der Jagdstrecken
im letzten Jahrzehnt und eine Befragung der Jägerschaft.
Nach Analyse der unterschiedlichen Ergebnisse, wurde festgestellt,
dass das Rebhuhn bis auf Restbestände in den Gemeinden Bettenburg und
Umgebung, sowie Bartringen offenbar fast völlig aus der Region verschwunden
ist. Die noch vorhandenen Vorkommen sind in Habitaten anzutreffen, die sich
durch eine gute Strukturierung und einen hohen Anteil an Extensivgrünland
(Naturschutzverträge) auszeichnen. Der Feldhase kann sich zwar
noch wesentlich besser behaupten, hat jedoch in einigen sehr strukturarmen
Fluren auffallend niedrigere Abundanzen als in besser strukturierten
Landschaften.
ErhÖhung des Strukturangebotes in Ackerfluren durch Krautstreifen
Ackerkrautstreifen sind eine wirksame Maßnahme zur Erhöhung des
Deckungs- und Nahrungsangebotes in intensiv genutzten Feldfluren für
viele Arten. Von dieser Maßnahmen profitieren unter anderem auch
Rebhuhn und Feldhase. Seit 2003 versucht die Biologische Station Westen
in den Gemeinden des SICONA-Westen, aber auch in verschiedenen Gemeinden
im nordwestlichen Gutland, solche Kurzzeitbrachen anzulegen.
Im Rahmen der staatlichen Biodiversitätsprogramme werden die Streifen
mit den betroffenen Landwirten ausgehandelt. Die Landwirte erhalten fünfjährige
Bewirtschaftungsverträge mit einer entsprechenden Entschädigung.
Im ersten Frühjahr wird der betroffene Ackerstreifen umgepflügt
und mit einer speziellen Saatmischung angesät; Düngung und Pestizideinsatz
unterbleiben. Die Saatmischung setzt sich aus verschiedenen Kulturpflanzen
zusammen, wobei ein- und mehrjährige Arten enthalten sind und darauf
geachtet wurde, dass Pflanzen von unterschiedlicher Höhe und verschiedenem
Wuchs (unter anderem auch breitwachsende, großblättrige Arten)
darin vorkommen. Enthalten sind neben verschiedenen Gräsern und Getreide
(Hafer) auch ungewöhnlichere Kulturpflanzen, wie Buchweizen, Erbsen,
Möhren, verschiedene Rüben- und Kohlarten, sowie einige auffällig
blühende Arten, wie Sonnenblumen, verschiedene Malvenarten und
Lein.
Durch diese Zusammensetzung soll erreicht werden, dass der Boden über
mehrere Jahre hinweg von einer strukturierten Vegetation bedeckt bleibt,
wobei Artenzusammensetzung und Aspekt der Streifen variieren. Treten Problemunkräuter
auf oder eine zu starke Vergrasung ein, wird der Streifen umgepflügt
und neu eingesät. Dies ist in Einzelfällen (z.B. bei Auftreten
von Ackerkratzdistel oder bei sehr nährstoffreichen Flächen) bereits
nach zwei Jahren der Fall. In nährstoffärmeren Flächen
tritt eine Vergrasung erst nach 3 bis 4 Jahren ein.
Werden über mehrere Jahre hinweg solche mehrjährigen Krautstreifen
angelegt, so entsteht ein Netz von Flächen in unterschiedlichen Stadien,
das zu jedem Zeitpunkt eine Vielfalt von Nischen zur Verfügung
stellt.
Die Anlage von Ackerkrautstreifen erhöht das Struktur- und damit auch das Deckungs- und Nahrungsangebot für viele Tierarten in intensiv genutzten Feldfluren. Zugleich können solche Maßnahmen auch einen landschaftlichen Impakt haben, wie dieser neu eingesäte Streifen bei Simmern |
Der gleiche Streifen im zweiten Jahr nach der Ansaat |
Anlage von Ackerkrautstreifen in den Gemeinden Bettemburg, Monnerich und Sanem
Teilbereiche der Gemeinden Bettemburg, Monnerich und Sanem gehörten
zum Untersuchungsgebiet der Studie zur Situation des Feldhasen und des Rebhuhns.
In einem Pilotprojekt in den Jahren 2003 und 2004 wurde deshalb die Umsetzung
von Maßnahmen zunächst in dieser Region, insbesondere in
der Gemeinde Bettemburg, getestet. In den Folgejahren soll das Projekt
auf die anderen Mitgliedsgemeinden des SICONA-Westen ausgeweitet werden.
In der Gemeinde Bettemburg beteiligten sich insgesamt 6 landwirtschaftliche
Betriebe an den Maßnahmen. Ackerkrautstreifen wurden hier auf einer
Fläche von 7,35 ha angelegt. Dies entspricht einer Länge von ca.
5 km. In den Gemeinden Sanem und Monnerich wurde jeweils ein Betrieb einbezogen,
mit einer Fläche von 38 resp. 44 Ar.
In der Gemeinde Bettemburg wurden insgesamt fast 5 km Ackerkrautstreifen angelegt. Durch unterschiedliche Vegetationshöhe, Wuchsformen und ein reiches Angebot an Blüten und Samen bieten sie vielen Tierarten Deckung und Nahrung. |
Auf einem frisch angesäten Krautstreifen in der Flur Wolser in Bettemburg hat sich die gefährdete Kornblume angesiedelt |