Steinkauzschutzprogramm
Der Steinkauz – seltener Bewohner unserer Dörfer
Zunehmende Gefährdung
Das Aktionsprogramm
Der Steinkauz – seltener Bewohner unserer Dörfer

Der Steinkauz ist die kleinste unserer fünf einheimischen Eulenarten. Während Uhu, Waldkauz und Waldohreule vorwiegend Waldbewohner sind, lebt der Steinkauz, ebenso wie die Schleiereule in Ortschaften und offener Feldflur.
Als Brutpläze dienen Baumhöhlen, etwa in Obstbäumen und Kopfweiden
oder Nischen und Spalten in Gebäuden. Wichtige Brutgebiete sind große
Obstwie-senbereiche mit alten Hochstammobst-bäumen und alte Kopfweidenbestände.
Gern genutzt werden auch Schuppen oder ruhige Nebengebäude mit Einflug-möglichkeit
und geeigneten Nischen.
Das Jagdrevier muß insektenreich sein und einen offenen Charakter haben.
Typisch sind extensiv genutzte Weiden oder Wiesen. Zu stark zugewachsene
Bereiche, etwa brachgefallene Trocken-rasen mit zunehmender Verbuschung meidet
der Steinkauz, ebenso wie intensiv genutzte Fluren, die zu wenig Nahrung
bieten.
Dank dieser Ansprüche war der Steinkauz früher ein typischer und
häufiger Bewohner unserer Ortschaften. Die vielen offenen, landwirtschaftlichen
Nebengebäude kamen seinen Ansprüchen ebenso entge-gen, wie die
zahlreichen Obstwiesen in den Ortsrandsbereichen. Und Nahrung fand
sich reichlich um die Höfe und im angrenzenden extensiven Grünland.
| Name: | Athene noctua – Steinkauz | ![]() |
| Familie: | Strigidae - Echte Käuze | |
| Ordnung: | Strigiformes - Eulen | |
| Lebensweise: | Nächtlicher Jäger, bevorzugt in der Dämmerung | |
| Jagdrevier: | Offene, insektenreiche Landschaften um die Ortschaften | |
| Nahrung: | Insekten, Würmer, Mäuse und andere Kleintiere | |
| Fortpflanzung: | Paare leben in Dauerehe, eine Brut mit 3-5 Eiern pro Jahr | |
| Brutplätze | Höhlen und Nischen in Bäumen oder Gebäuden | |
| Jungenaufzucht: | Schlüpfen der Jungvögel nach vier Wochen ca. 30 Tage Fütterung in der Bruthöhle, danach noch ca. 5 Wochen außerhalb |
Zunehmende GefÄhrdung
Inzwischen hat sich die Situation für den Steinkauz grundlegend geändert.
Durch die Veränderungen in unseren Ortschaften und den Strukturwandel
in der Landwirtschaft haben sich seine Lebensbedingungen drastisch verschlechtert.
In den fünfziger und sechziger Jahren war der Steinkauz noch eine relativ
häufige Vogelart und der luxemburgische Bestand wurde damals auf ca.
3400 - 4200 Paare geschätzt. Im Zeitraum zwischen 1975 und 1980 wurden
im Rahmen des Brutvogelatlasses der luxemburger Natur- und Vogelschutzliga
Bestandserfassungen des Steinkauzes durchgeführt. Die Art war inzwischen
bereits deutlich seltener geworden, aber immerhin konnten z.b. in der Gemeinde
Bartringen 3 und in der Gemeinde Dippach mindestens 8 Steinkauzpaare festgestellt
werden.
Inzwischen ist der Bestand in unserer Region drastisch geschrumpft.
Bei Erfassungen von 1999 bis 2004 konnten in gesamten Westen des Landes
weniger als 10 Paare gefunden werden, davon kein einziges mehr in den beiden
obengenannten Gemeinden.
Athene noctua – Vogel der Weisheit oder Unglücksbringer? |
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Gefährdungsursachen:
Verlust von Nistplätzen durch:
- Roden von alten Obstwiesen mit höhlenreichen Hochstammobstbäumen
- Verschwinden und Absterben von Kopfweiden
- Verschwinden von wenig genutzten, ruhigen Nebengebäuden (Schuppen) um die Häuser
- Besserer Bauzustand der Gebäude; alte Gebäude meist so renoviert, daß sich nirgends Spalten oder Nischen finden, die als Brutraum nutzbar sind oder Gebäude so verschlossen, daß keine Einflugmöglichkeit mehr besteht
Nahrungsmangel durch:
- Intensivere Nutzung von Wiesen und Weiden
- Umwandlung von Grünland in Acker, insbesondere für den Maisanbau
- Veränderungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben, z.B. Verschwinden von Misthaufen, Geflügel und anderen Kleintieren, sowie eine veränderte Hofumgebung
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Das Aktionsprogramm
Aufgrund der akuten Gefährdung des Steinkauzes führt SICONA-Westen seit 1998 ein spezielles Schutzprogramm in seinen Mitgliedsgemeinden durch. Nur durch gezielte und kontinuierliche Schutzmaßnahmen kann das Verschwinden des Steinkauzes aus unserer Region verhindert werden. Diese Maßnahmen umfassen einerseits Sofortmaßnahmen, um das Nistplatzangebot zu erhöhen, andererseits längerfristige Habitat- und Nahrungsangebotsverbesserungen.
Sofortmaßnahmen:
- Anbringen von speziellen Brutkästen für den Steinkauz in Obstwiesen, an Einzelbäumen und an Gebäuden
Längerfristige Erhöhung des Brutangebotes:
- Pflege und Erhalt von alten Obstbaum- und Kopfweidenbeständen
- Neuanpflanzung von Kopfweiden
- Wiederherstellung von Hochstammobstwiesen
- Wo möglich: Öffnung von geeigneten Gebäuden
Längerfristige Verbesserung des Nahrungsangebotes:
- Extensivierung von Grünland im Rahmen des Reglements zur Erhaltung der Biodiversität
- Einbringen von Brachstreifen und Extensivstrukturen in intensiv genutzte Landschaften
Wissenschaftliche Begleitung:
- Initialerfassung des Steinkauzbestandes
- Überwachung der Bestandsentwicklung
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Kleinstrukturierte Parzellen und die Haltung
unterschiedlicher Tiere erhöhen das Nahrungsangebot für den
Steinkauz. Die Hühnerfütterung etwa trägt zu einem hohen
Spatzenbestand bei, eine Nahrungsquelle für den Steinkauz. Leider
werden derartige Situationen in unseren Dörfern immer seltener.
Kontrolle
eines Spezialbrutkastens für den Steinkauz in einer Obstwiese.
Solche Brutkästen wurden als Sofortmaßnahmen in fast allen
SICONA-Gemeinden angebracht, so dass zur Zeit wieder ausreichend
Brutraum zur Verfügung steht. Der Metallbügel am Eingang
verhindert das Eindringen von Mardern.
Früher
haben die meisten Steinkäuze in unserer Region an Gebäuden gebrütet.
Heute sind die meisten Gebäude so instand gesetzt, dass keine Brutplätze
mehr vorhanden sind. Hier blieb bei der Renovierung des Dachs die Brutraumöffnung
des Steinkauzes erhalten.
Als
längerfristige Maßnahme ist es wichtig, die Obstwiesen,
die in den letzten Jahrzehnten stark unter der Bebauung der
Ortsränder, sowie unter Überalterung gelitten haben,
wieder herzustellen. Dazu gehören Neuanpflanzungen von
Jungbäumen, aber auch Pflegeschnitte in den alten Beständen.
Durch
Beringung der jungen Steinkäuze kann die Bestandentwicklung
kontrolliert werden.