Stillgewässer
Tümpel und Weiher: gefährdeter Lebensraum
Faszinierende Tierwelt der Gewässer
Stauweiher und Himmelstümpel
Kleingewässerschutzprojekte in den SICONA-Gemeinden
TÜmpel und Weiher: gefÄhrdeter Lebensraum
Wiesentümpel in Foetz (Gemeinde Monnerich) mit Kammmolchvorkommen. Das zuvor stark verlandete Gewässer wurde vor einigen Jahren wieder instand gesetzt und hat sich seither gut entwickelt.
Wie alle Lebensräume in unserer heutigen Landschaft haben Stillgewässer
eine bewegte Geschichte hinter sich. Genutzt als Fischgewässer, Viehtränken,
Löschwasserreserve oder Bewässerungsweiher standen sie immer im
Interesse des Menschen und wurden von ihm geprägt. Nur ein Teil der
Gewässer war überhaupt natürlichen Ursprungs. Viele wurden
für einen bestimmten Nutzungszweck ausgehoben oder angestaut. Aber auch
Gewässer natürlichen Ursprungs sind fast immer vom Menschen verändert.
Sie wurden je nach Bedarf entschlammt, teilentwässert oder der Wasserstand
erhöht.
Der Einfluss dieser Eingriffe auf den Naturhaushalt der Gewässer ist
sehr unterschiedlich. Bei intensiver Nutzung als Fischweiher bleiben meistens
kaum noch Chancen für wildlebende Tierarten und auch der Pflanzenwuchs
ist stark gestört. Dagegen lassen sich viele andere Nutzungen mit dem
Naturschutz vereinen. Eine Nutzung als Viehtränke wird vertragen, wenn
der Viehbestand nicht zu hoch ist. Feuerlöschweiher werden ohnehin nur
in Ausnahmesituationen genutzt. Und an das regelmäßige Ausheben
solcher Gewässer haben sich die Organismen angepasst: oft blühen
bereits im Jahr nach der Maßnahme wieder ganze Blütenteppiche
von Wasserpflanzen. Insgesamt war das Verhältnis zwischen Mensch und
Gewässer also lange Zeit zum beiderseitigen Nutzen.
Das hat sich aber in den letzten Jahrzehnten geändert. Heute haben die
meisten Viehweiden einen Trinkwasseranschluss. Im Ackerland oder bei der
Wiesenmahd ist ein Weiher hinderlich und Feuerlöschwasser kommt aus
dem Hydranten. Seit zudem mit Hilfe von Maschinen auch ein großes Gewässer
innerhalb weniger Tage zugeschüttet werden kann, sind Hunderte von Tümpeln
aus unserer Landschaft verschwunden. In vielen Gemeinden kann man die noch
vorhandenen Stillgewässer an einer Hand abzählen. Entsprechend
haben sich natürlich auch die Bedingungen für die Lebensgemeinschaft
drastisch verschlechtert, mit der Folge dass immer mehr Arten der Gewässer
vom Aussterben bedroht sind.
Faszinierende Tierwelt der GewÄsser
Der Kammmolch ist die größte und seltenste unserer vier einheimischen Molcharten. Als sehr standorttreuer Bewohner vegetationsreicher Gewässer besitzt er nur noch wenige und zum Teil kleine Vorkommen in der Region. Er braucht daher dringend Schutzmaßnahmen, die sowohl Unterhaltsmaßnahmen an seinen Reproduktionsgewässern als auch die Neuanlage geeigneter Gewässer in der Nähe umfassen müssen. |
Wer sich mit einem Gewässer näher befasst, etwa mit einem Netz nach Amphibien und Wasserinsekten fischt, der staunt über die ungeheure Formenvielfalt der Lebewesen im Gewässer. Da tummeln sich Molche und Frösche zusammen mit kleinen Krebsen, Wasserkäfern, Schnecken und Muscheln, Libellen- und Köcherfliegenlarven. Viele dieser Tiere kann man erst unter einer Lupe richtig bestaunen. Wer noch genauer hinsieht findet winzige, merkwürdig geformte Einzeller, z.B. die bizarren Glockentierchen. Dieser Artenreichtum hängt natürlich ganz wesentlich auch von der Wasserqualität ab. Zwar haben sich einige Arten ganz speziell an verschmutztes Wasser angepasst, generell aber gilt je sauberer, desto artenreicher. |
Stauweiher und HimmelstÜmpel
Die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft eines Gewässers hängt
nicht nur von Größe, Lage und Nutzung ab, sondern auch von der
Wasserspeisung. Bei Stauweihern werden kleinere Fließgewässer
aufgestaut. Stauweiher zeichnen sich dank ständiger Wasserzufuhr durch
einen hohen Wasserstand und kalte Temperaturen aus. Sogenannte "Himmelsweiher" werden
nur vom Himmel, d.h. durch Regenwasser, gespeist. Solche Weiher besitzen
natürliche Wasserschwankungen im Jahresverlauf und können sich
viel schneller erwärmen, was vor allem im Frühjahr von Bedeutung
für die Entwicklung der Amphibien ist. Entsprechend sind alle unsere
seltenen Amphibienarten auf warme Gewässer angewiesen. Da zudem durch
Stauweiher immer gleichzeitig ein Fließgewässer gestört wird,
sind sie aus Naturschutzsicht äußerst kritisch zu betrachten.
Bei der Wiederherstellung von Gewässern geht es deshalb in erster Linie
um gut besonnte, regenwassergespeiste Tümpel und Weiher auf schweren
Böden, wie sie auch typisch für die SICONA-Region sind.
KleingewÄsserschutzprojekte in den SICONA-Gemeinden
Die Wiederherstellung eines Gewässernetzes, das der Lebensgemeinschaft
der Stillgewässer, etwa den Amphibien, einen Austausch zwischen den
Gewässern ermöglicht, ist eines der Ziele des SICONA-Westen. Dazu
gehört die Pflege, aber auch die Neuanlage von Gewässern, um eine
Gewässerdichte zu erreichen, die in Wanderdistanz für
Amphibien liegt (je nach Art etwa 500 m bis 5 km). Eine besondere
Zielart ist dabei der Kammmolch, der noch Restvorkommen in den
SICONA-Gemeinden hat.
Wegen der schweren Böden auf den weitverbreiteten Liastonen der Region,
eignen sich sehr viele Standorte für die Neuanlage von Gewässern.
Entsprechend werden jährlich etwa fünf bis 10 Gewässer vom
SICONA-Westen neu angelegt oder entschlammt. In den letzten Jahren fanden
derartige Maßnahmen in den Gemeinden Bartringen, Bettemburg, Dippach,
Kehlen, Kopstal, Küntzig, Leudelingen, Mamer, Monnerich, Niederkerschen,
Reckingen/Mess und Schifflingen statt.
Neben zu weiten Abständen zwischen den Gewässern stellt aber auch
die Zerschneidung der Landschaft, insbesondere durch die zahlreichen Autobahnen
in der Region, für viele Arten ein gravierendes Problem dar. Hier hat
SICONA-Westen zusammen mit dem Umweltministerium ein Projekt initiiert, um
durch bauliche Verbesserungen an diesen Straßen den Barriereeffekt
zu vermindern. Die "Entschneidung" der Landschaft wird in den nächsten
Jahren zu einem immer wichtigeren Thema in den SICONA-Gemeinden
werden, von denen viele einem starken Urbanisationsdruck ausgesetzt
sind.
Der Pflegetrupp des SICONA-Westen beim Ausheben eines Gewässers in der Flur Direnbund (Gemeinde Mamer) |
Ein neuangelegtes Gewässer in der kommunalen Schutzzone Neidriesch (Gemeinde Küntzig). Wichtig sind ausgedehnte Flachwasserzonen und eine gute Strukturierung des Gewässers. |